Nahversorgung in Zeppelinheim: Zieh’ Dir ‘ne Tomate!

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Seit über zehn Jahren fehlt in Zeppelinheim, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: eine wohnortnahe Möglichkeit, schnell und unkompliziert Lebensmittel einzukaufen. Es gibt keinen Supermarkt, keinen kleinen Laden, keine Bankfiliale – für viele Wege bleibt nur das Auto oder der Bus. Gerade für ältere Menschen, Kinder und Jugendliche oder alle, die nicht jederzeit mobil sind, ist das mehr als nur unbequem. Es ist ein Stück verlorene Selbstständigkeit.

Lange war ein Selbstbedienungsmarkt ohne Personal, der Teo von Tegut, im Gespräch. Das Projekt wurde aber wieder auf Eis gelegt. Umso größer war die Überraschung, als im Juni in der Ortsbeiratssitzung verkündet wurde, es sei ein Anbieter gefunden, der mehrere Automaten mit Waren von Rewe in Zeppelinheim aufstellen möchte. Einen Wocheneinkauf wird man an Automaten nicht erledigen können. Gleichzeitig könnten sie in bestimmten Alltagssituationen durchaus helfen. Wir wollen deshalb genauer wissen: Was kann eine Automatenlösung für Zeppelinheim leisten – und was nicht? Ist sie ein sinnvoller erster Schritt, eine Übergangslösung oder nur ein Trostpflaster? Und welchen Anteil hatte der Druck der Bürgerinitiative Zeppelinheims (BiZepps) daran, dass überhaupt wieder Bewegung in das Thema Nahversorgung gekommen ist? 

Wir fragen nach bei den BiZepps-Mitgliedern Christine Wohlgezogen, Roger Fink und Meinrad Schneider.

YYNI: Endlich tut sich was beim Thema Nahversorgung. Automaten statt Teo – ist diese Entwicklung für Euch eine Enttäuschung, ein Fortschritt, oder beides?

BiZepps: Blickt man auf die Historie zum Thema Nahversorgung zurück – 10 Jahre lang gab es keine Lösung, kein tragfähiges (Standort-)Konzept – dann kann man die Tatsache, dass überhaupt etwas kommt, durchaus als Fortschritt beschreiben. Dem zukünftigen Automaten-Betreiber hat man mit der Platzierung für Laufkundschaft und Abschöpfung externer Kunden – z.B. durch die E-Ladesäulen – einen vernünftigen Standort zugesichert, was sich im Zuge der Teo-Verhandlungen seinerzeit leider nicht abzeichnete. Auch das ist ein Fortschritt. Dass es sich dabei nun um 3-4 Verkaufsautomaten mit 150 bis 200 Produkten in einem Schiffscontainer handeln soll, anstelle eines personalfreien Lädchens, wie beispielsweise Teo, kann nur als sehr kleiner Fortschritt bezeichnet werden, denn von der Möglichkeit einer ausreichenden Nahversorgung, beispielsweise einem vollständigen Wocheneinkauf, sind wir damit weit entfernt.

YYNI: Was fehlt denn aus Eurer Sicht weiterhin, wenn es bei Automaten bleibt?

BiZepps: Automaten bilden keinen „sozialen Mittelpunkt“, weil die Verweildauer beim Einkauf sehr kurz sein wird. Darüber hinaus wird die Produktvielfalt deutlich geringer ausfallen. Ob es dennoch ausreicht, bleibt abzuwarten. Es ist abhängig davon, womit die Automaten bestückt und wie sie logistisch gepflegt werden. Natürlich wäre ein „Teo“ bzw. personalfreier Minimarkt eines alternativen Anbieters wesentlich besser gewesen, aber wenn wir nur die Wahl zwischen einer Automatenlösung oder gar keiner Lösung haben, müssen wir wohl nach diesem Strohhalm greifen.

YYNI: Wo könnten solche Automaten den Zeppelinheimern trotzdem konkret helfen? Gibt es Alltagssituationen, in denen Ihr sagt: Genau dafür wäre diese Lösung sinnvoll?

BiZepps: Sie helfen bei schnellen Bedarfseinkäufen, z.B. dem fehlenden Backpulver, der fehlenden Sahne, für die sich eine Autofahrt nicht lohnt. Und natürlich sichern sie die „Übergangs-Versorgung“ von älteren, kranken und nicht mobilen Personen. Zudem fördern sie die Selbstständigkeit von Kindern, weil auch sie ohne Hilfe kleinere Besorgungen erledigen können. Auch für die Mitarbeitenden der hier ansässigen Unternehmen besteht die Chance einer kleinen Versorgung während und nach der Arbeitszeit.

YYNI: Denken wir an ältere Menschen, Familien mit Kindern, Jugendliche oder Menschen ohne Auto. Wer würde von einer solchen Lösung am meisten profitieren – und wer eher nicht?

BiZepps: Es profitieren im Grunde genommen alle –  immer vorausgesetzt, dass Zutritt, Bedienbarkeit und Bezahlung für alle möglich sind. Konkret: barrierefreier Eintritt, barrierefreies Bedienen der Automaten, Bezahlung mit Karte und Bargeld.

YYNI: Welche Produkte müssten Eurer Meinung nach in solchen Automaten unbedingt verfügbar sein, damit sie tatsächlich genutzt werden?

BiZepps: Die Bestückung der Automaten (Basissortiment) sollte so erfolgen, dass man mit den Produkten eine einfache, aber gesunde und komplette Mahlzeit zubereiten kann – ein Frühstück, ein Mittagessen und ein Abendessen. Diese Produkte dürfen nicht zu überteuerten Preisen angeboten werden. Aber auch Identifikations- und Impulsprodukte gehören dazu.

Es gibt fundierte wissenschaftliche Studien und Praxisberichte (u.a. vom Thünen-Institut, der BBE-Handelsberatung, der Fachhochschule Harz sowie dem Fraunhofer IIS), die das ideale Sortiment in drei Produktkategorien A plus B plus C einteilen. Wir gehen davon aus, dass der zukünftige Betreiber Erfahrungen mitbringt und/oder sich bereits mit solchen Studien beschäftigt haben wird.

Hier ein Auszug aus einer Studie, die wir gefunden haben:

A-Kategorie = Das Basis- und Notfallsortiment:

  • Frische Grundnahrungsmittel wie Milch, Butter, Eier, Hefe, Schnittkäse
  • Trockensortiment und Konserven wie Nudeln, Reis, Tomatensauce, Mais, Mehl, Zucker, Kaffee, Gewürze
  • Frühstücks- und Snackkomponenten wie Aufbackbrötchen, abgepackte Wurstwaren, Müsli
  • Vorgepacktes, langlebiges Obst/Gemüse wie Äpfel, Brokkoli, Karotten, Blumenkohl
  • Non-Food-Notfallartikel wie Toilettenpapier, Zahnpasta, Damenhygieneartikel, Windeln
  • saisonale Artikel: z.B. Grillkohle/-anzünder

B-Kategorie = Regionale Identifikationsprodukte

  • Erzeuger-Produkte wie regionaler Honig, Eier vom Geflügelhof, Marmeladen
  • Frischfleisch/Metzgerware wie vakuumierte Steaks, Bratwürste, Fleischsalat
  • Lokale Spezialitäten wie regionales Bier, Säfte, Spirituosen

C-Kategorie = Impuls und Genussprodukte

  • Snacks und Süßwaren wie Chips, Schokolade, Kaugummis
  • Getränke wie gekühlte Softdrinks, Energy-Drinks, Eistee

YYNI: Wie wichtig wäre aus Eurer Sicht ein verlässliches Sortiment? Also ein Automat, bei dem die wichtigsten Waren auch regelmäßig verfügbar sind?

BiZepps: Um einen Grundstock an Akzeptanz aufzubauen, braucht es natürlich Verlässlichkeit beim Sortiment, aber auch bei der Qualität, Frische, Quantität/Logistik, Sauberkeit und regelmäßige Kontrollen im Produkt-, Innen- und Außenbereich.

YYNI: Es hieß, es sei auch schon ein Standort gefunden: Am Kindergarten in der Nähe der Paketstation sollen die Altglascontainer wegfallen, dafür soll ein Container für die Automaten aufgestellt werden. Haltet Ihr den Standort für geeignet? Was macht aus Eurer Sicht einen guten Standort aus?

BiZepps: Der vorgesehene Standort ist grundsätzlich geeignet: fußläufig gut angebunden und selbst mit dem Auto erreichbar. In unmittelbarer Nähe befinden sich der Ampelübergang, die Bushaltestellen, Kita, E-Ladestation, Paketstation, das Bürgerhaus und Museum – und auch die Grundschule ist nicht weit entfernt. Man kann den Standort schon als klassische Laufstrecke bezeichnen, um Laufkunden „abzuschöpfen“. Allerdings sollte auch der Außenbereich insgesamt deutlich ansprechender und übersichtlicher gestaltet und ausgeleuchtet werden. Auch wäre eine Sitzgelegenheit schön und hätte den Effekt, die soziale Kommunikation zu fördern – ähnlich dem Platz gegenüber dem Bürgerhaus.

YYNI: Viele Menschen verbinden Nahversorgung nicht nur mit Waren, sondern auch mit Erreichbarkeit und Sicherheit. Die Barrierefreiheit habt Ihr ja auch bereits angesprochen. Was müsste die Stadt beachten, damit auch ältere Menschen oder Menschen mit Einschränkungen die Automaten gut nutzen können? Sollte Bargeld möglich sein, oder reicht Kartenzahlung? Und wie digital darf so eine Lösung sein, ohne wieder Menschen auszuschließen?

BiZepps: Unseres Wissens handelt es sich um einen ansprechend gestalteten Schiffscontainer, in dem sich witterungsgeschützt 3-4 Automaten mit je 50 Produkten befinden. Die Bezahlung soll per Karte und in bar möglich sein. Ohne ein digitales System funktionieren Automaten heute nicht mehr. In der Regel sind sie selbsterklärend oder man lässt es sich erklären. Darin sehen wir kein Problem. Worauf aber unbedingt geachtet werden sollte: Der eigenständige Zutritt muss für Personen mit Rollatoren, Rollstühlen, Kinderwagen und auch für allein einkaufende Kinder gewährleistet sein. Die Bedienung der digitalen Flächen und auch die Entnahme der Produkte muss in Kinderhöhe und Sitzhöhe (Rollstuhl-Kunde) machbar sein. Zudem braucht es entsprechende Abstellflächen für Taschen, um die Einkäufe auch bequem und sauber einpacken zu können. Der Außenbereich sollte übersichtlich und gut ausgeleuchtet sein. Zur inneren Sicherheit des Containers können wir nicht viel sagen, gehen aber von einer Kameraüberwachung aus.

YYNI: Das Hessische Ladenöffnungsgesetz wurde kürzlich geändert, unter bestimmten Voraussetzungen dürfen personallose Minimärkte nun auch sonntags, feiertags und rund um die Uhr geöffnet sein. Wäre euch eine durchgehend verfügbare, kleine Lösung wie die Automaten lieber – oder benötigt Zeppelinheim doch auf Dauer ein umfangreicheres Angebot in einem Laden mit normalen Öffnungszeiten?

BiZepps: Weder…noch. Automaten sind schon mal eine Lösung. „Automaten-scheu“ sind wir Zeppelinheimer jedenfalls nicht, wie sich am begehrten Eisautomaten an der Feuerwehr zeigt – allerdings ist das Eis auch von hervorragender Qualität und es werden der Saison entsprechend Winter- und Sommersorten angeboten. Ein personalloser Minimarkt für das „normale Einkaufsgefühl“ mit einer erheblich größeren Produktvielfalt wäre die Königslösung gewesen. Aber wer weiß, vielleicht bekommen wir einen solchen ja noch, wenn sich die Nachfrage an den Automaten als positiv erweist?! Ein klassischer Supermarkt samt Personal, Lagerraum und mit normalen Öffnungszeiten wird sich am Standort Zeppelinheim nicht lohnen.

YYNI: Ist euch bekannt, was für den Automaten-Container geplant ist, um Vandalismus zu verhindern? Es wird ja oft mit einer Zugangskontrolle per EC-Karte und/oder mit Kameraüberwachung gearbeitet. Seht Ihr da Probleme?

BiZepps: Die Sicherung der Anlage, innen und außen, ist Sache des Betreibers. Ohne Zugangskontrolle und Kameraüberwachung wird es nicht funktionieren. In jedem Fall sollte der Zugang für Kinder und junge Jugendliche ermöglicht werden, beispielsweise mit zu erwerbenden Spezial-Zugangskarten durch haftende Eltern.

YYNI: Ist die Automatenlösung denn für Euch nun ein echter Schritt in Richtung besserer Nahversorgung – oder sehr Ihr die Gefahr, dass die Politik danach sagt: Das Problem ist gelöst, wir beschäftigen uns nicht weiter damit?

BiZepps: Bei 3-4 Automaten, die jeweils 50 verschiedene Produkte enthalten, hängt es entscheidend vom Sortiment ab, ob das Problem annähernd gelöst ist. Abhängig von der Bestückung, der Qualität, der Frequenz der Bestückung und der Frische kann sich die Nachfrage in verschiedene Richtungen entwickeln: Positives Annahmeverhalten, weil das Angebot „top“ ist oder negatives Annahmeverhalten, weil das Angebot „schlecht“ oder „nicht ausreichend“ ist. In beiden Fällen wird sich die Politik damit auseinandersetzen müssen, dass langfristig ein personalfreier Minimarkt mit entsprechendem Sortiment die optimale Lösung wäre. Leider haben wir Bürgerinnen und Bürger hier in Zeppelinheim oft das Gefühl, dass wir jeden „Happen“, den man uns hinwirft, mit Begeisterung annehmen müssen, um weitere Forderungen stellen zu dürfen. Es entgeht uns keineswegs, wie man im Stadtparlament über uns spricht, wenn man überhaupt über uns spricht.

YYNI: Welche Kriterien müsste die Stadt denn aus Eurer Sicht festlegen, um nach einiger Zeit ehrlich bewerten zu können, ob die Automaten angenommen werden? Reichen Verkaufszahlen, oder braucht es Rückmeldungen aus dem Stadtteil?

BiZepps: Man sollte realistisch sein und nicht nur die Verkaufszahlen für eine Bewertung zugrunde legen. Es darf nicht nur um die Wirtschaftlichkeit gehen, sondern auch um den sozialpolitischen Aspekt. Zuerst muss ein Feedback aus der Bevölkerung erfolgen, ob z.B. die Bestückung geändert oder andere Voraussetzungen erfüllt werden müssten. Ohne Rückmeldungen aus dem Stadtteil wird es nicht gehen.

YYNI: Wann könnten die Zeppelinheimer realistisch sagen: Jetzt haben wir tatsächlich etwas davon? Was wäre für Euch der Punkt, an dem diese Lösung im Alltag eine spürbare Verbesserung darstellt?

BiZepps: Es sollte eine ausreichende und qualitative Versorgung mit Lebensmitteln zur Herstellung eines Frühstücks, Mittag- und Abendessens möglich und die Abdeckung des täglichen Bedarfs durch andere Produkte gewährleistet sein. Wenn sowohl die Bewohner von Zeppelinheim mit dieser Lösung im Alltag zufrieden sind und auch der Umsatz für den Betreiber ausreichend ist, können wir sagen: Es ist eine spürbare Verbesserung.

YYNI: Ihr habt in den vergangenen zwei Jahren viel Druck gemacht: Unterschriftenaktionen, Gespräche, öffentliche Aufmerksamkeit. Glaubt Ihr, dass die aktuelle Bewegung bei der Nahversorgung auch mit Eurem Einsatz zu tun hat?

BiZepps: Wir wissen, dass der Ortsbeirat, insbesondere Sebastian Stern, bereits in der vergangenen Legislaturperiode vehement an dem Thema drangeblieben ist, was nun auch Früchte zu tragen scheint. Allerdings sind wir auch davon überzeugt, dass unsere Unterschriftenaktion (Petition mit über 850 Unterstützenden) den Bedarf der Bürgerinnen, Bürger und Gewerbetreibenden nach einer Nahversorgung nochmals sehr öffentlichkeitswirksam und transparent aufgezeigt hat und definitiv eine Entscheidungshilfe für die Politik – insbesondere aber auch für den Betreiber – gewesen sein wird. Umgekehrt wäre auch ein Schuh daraus geworden: Hätte die Petition nur eine geringe Anzahl an unterstützenden Personen hervorgebracht, so hätte man das Thema Nahversorgung völlig berechtigt von der politischen Agenda nehmen können. Wirft man einen Blick in die Vergangenheit, so lässt sich feststellen, dass Zeppelinheim seit nunmehr 10 Jahren über keine Nahversorgung mehr verfügt.

Gegen Ende des Jahres 2020 berichtete die Frankfurter Rundschau erstmals über die Eröffnung eines futuristischen personalfreien Minimarkts der Lebensmittelkette Tegut – ein Konzept, das für Zeppelinheim „wie auf den Leib geschneidert“ schien und durch unseren Mitbegründer Meinrad Schneider direkt an den damals amtierenden Bürgermeister Herbert Hunkel weitergereicht wurde. Gespräche wurden geführt, Pläne geschmiedet… und seit 2024 wissen wir, dass die Umsetzung im Sande verlaufen ist. Dass wir nun 24 Monate nach unserer Petition überhaupt mal an einer bestätigten Lösung zum Thema Nahversorgung dran sind, spricht angesichts dieser Historie ein Stück weit für sich.

YYNI: Wie bewertet Ihr inzwischen die Zusammenarbeit mit der Stadtspitze? Hat sich durch Eure Initiative etwas verändert – hört man Zeppelinheim heute besser zu als vorher? Hat sich der Dialog über die Zukunft des Stadtteils positiv entwickelt?

BiZepps: Wir kommen nur in der Micro-Betrachtung vor, also nicht im Sinne einer Stadtteilentwicklung, sondern als Fall-zu-Fall-Betrachtung durch vereinzelte Anträge des OBZ, die entweder greifen oder versanden. Über eine Stadtteilentwicklung hätten wir gerne im Rahmen einer Bürgerversammlung gesprochen, zumal wir im September 2024 verschiedene Lösungsansätze – insbesondere auch zur Mobilität/Barrierefreiheit – vorgelegt hatten, deren Beantwortung man uns zugesagt hatte. Der Wunsch nach einer Bürgerversammlung wurde am 26. Juni per E-Mail von der Stadtspitze – also an deren letzten Arbeitstag vor der Sommerpause – abgelehnt. Wenn wir Bürger um eine Bürgerversammlung für Zeppelinheim bitten, diese Bitte mit Unterschriften bekräftigen, und dann eine Ablehnung mit der Begründung erhalten, der Austausch mit dem Ortsbeirat und die Publikation „Blaues Blättchen“ sei informativ genug, und per Gesetz hätten wir auch kein Recht darauf, dann beantwortet sich die Frage, ob der Dialog sich positiv entwickelt hat, wohl von selbst.

Generell haben wir den Eindruck, dass die Probleme beider Stadtteile (Gravenbruch, Zeppelinheim) in der Kernstadt kaum bis gar nicht wahrgenommen werden. In Gesprächen mit unseren Mitbürgern wird nachhaltig die Meinung geäußert, dass die Stadtteile massiv benachteiligt werden. Das steht im starken Widerspruch zur Meinung mancher Kernstädter, dass die Stadtteile unverhältnismäßig begünstigt würden. Auch scheinen nur wenige Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung die Stadteile Gravenbruch und Zeppelinheim wirklich zu kennen. Das hat sich auch in den Wahlprogrammen der Parteien und im anschließenden Koalitionsvertrag deutlich gezeigt, denn darin kamen wir tatsächlich nur vage bis gar nicht vor. Ohne polemisch werden zu wollen, aber da fühlt man sich schon wie ein „Blinddarm der Kernstadt“: funktionslos, unangenehm und kaum einer Erwähnung wert.

YYNI: Und wenn Ihr einen Wunsch an Magistrat und Stadtverordnetenversammlung frei hättet: Was sollte die Stadt als Nächstes tun, um Zeppelinheim bei der Nahversorgung langfristig gesehen nicht zu benachteiligen?

Die Nahversorgung ist ein wichtiger Punkt, aber eben nur einer von vielen. Ein Notfall-Lösungskonzept in Form von Automaten wird langfristig nicht genügen. Zumal unsere Anbindung per Bus oder Bahn zum nächsten Supermarkt – aber auch zum nächsten Arzt, zur nächsten Apotheke, zur nächsten Fußpflege, zum nächsten Frisör etc. – suboptimal ist. Somit bleibt eine gute, regelmäßige und vom Streckenverlauf sinnvolle ÖPNV-Anbindung Zeppelinheims an die Kernstadt, an Dreieich, Walldorf, den Flughafen und Frankfurt ein Dauerbrenner unseres Stadtteils. Unser Wunsch an den Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung ist, dass sie sich wirklich mit den Problemen unseres Stadtteils auseinandersetzen. Vor allem fehlt uns ein Masterplan für die kommenden Jahre (Bedarfe vs. Haushaltsplan). Dazu gehören die Themen:

• Mangelhafter öffentlicher Nahverkehr

• Keine Barrierefreiheit am Bahnhof/an der Zubringerbrücke zum X18

• Aktuelle Gefahren am Bahnhof Zeppelinheim

• Ungenügendes Radwegenetz/Planung Radwegenetz

• Verbesserung der Infrastruktur

• Sicherung von Übergängen

• Ein- und Ausfahrt Zeppelinheim

• Fehlende ärztliche Versorgung respektive fehlender schneller ÖPNV zur nächsten ärztlichen Versorgung

• Fehlende Bürgerinformation und Bürgermitsprache

• Stadtteilbelebung

• Bürgeramt/Bankautomat

Und wer keine Lust hat, sich mit unseren „Problemen“ zu beschäftigen, könnte sich ja zumindest mal mit unseren Lösungsansätzen zu den Problemen auseinandersetzen. Dazu existiert inzwischen umfangreiches Material, zum Beispiel zum ÖPNV oder zu den Unzulänglichkeiten der Bahn (Einspruch etc.) und vieles mehr!

Liebe BiZepps, wir bedanken uns für dieses Interview. Festhalten lässt sich: Die Automaten können ein positiver Anfang sein – doch es gibt noch viel zu tun! Das Gespräch zeigt deutlich, dass es in Zeppelinheim wie auch in Gravenbruch nicht an Problemen, Ideen oder konkreten Lösungsansätzen mangelt. Was fehlt, ist ein stärkerer Blick der Gesamtstadt auf ihre Stadtteile und ein echter Dialog mit den Menschen, die dort leben. Für die Politik heißt das: genauer hinschauen und besser zuhören!

[BiZepps, Kati Conrad, Oliver Hatzfeld]

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