Neu-Isenburg, Stadt des…?

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Auf der Suche nach einer Identität

Der Kunstkritiker Karl Scheffler sagte einmal: „Berlin ist dazu verdammt, ewig zu werden und niemals zu sein.“ Neu-Isenburg hingegen scheint dazu verdammt, ewig zu planen und niemals umzusetzen. Wie werden wir wieder von der Stadt der Machbarkeitsstudien zur Stadt des…na, was eigentlich? Was ist die Identität Neu-Isenburgs? Wo wollen wir überhaupt hin? Und mit all den Großbaustellen die uns noch bevorstehen – was wollen wir werden?

Viele Bürger sind heute unzufrieden mit dem Stadtbild, kritisieren den Stillstand in vielen Bereichen. Wichtige identitätsstiftende Orte werden immer unattraktiver oder entwickeln sich nicht weiter. Die Frankfurter Straße und der Alte Ort sollen seit Jahren im Rahmen des Stadtumbauprogramms entwickelt werden, doch bisher ist nichts passiert. Die Hugenottenhalle muss spätestens 2027 schließen und wird dann jahrelang leerstehen, der beschlossene Umbau zu einem Kultur- und Bildungszentrum wird gerade wieder von einigen in Frage gestellt. Andere Gebiete wie zum Beispiel der Buchenbusch verändern sich zwar, verlieren durch Nachverdichtung aber mehr und mehr ihren ursprünglichen Charakter. Die Stadtteile Gravenbruch und Zeppelinheim fühlen sich abgehängt und mit ihren Problemen nicht ernstgenommen – um das, was sie haben, müssen sie kämpfen, damit es nicht verschwindet. Neue, gerade erst entstehende Projekte wie die RTW oder das Stadtquartier Neue Welt haben es bisher noch nicht geschafft, die Herzen der Bürger zu erobern und oft hört man „Man hat uns ja nicht nach unserer Meinung gefragt!“.

Im Rathaus wird häufig über Projekte beraten, von denen die übrigen Bürger nichts mitbekommen. Hinter den Plenarsaaltüren werden Machbarkeiten ausgelotet, ohne zu wissen, was sich daraus entwickeln soll. Wenn wir uns wieder stärker mit unserer Stadt verbunden fühlen möchten, müssen wir uns zuallererst als Gemeinschaft verstehen. Bürger und Politiker müssen sich über gemeinsame Ziele verständigen um dann Entscheidungen in diesem Sinne treffen zu können. Noch fehlt aber diese Linie, dieser Masterplan. Welche Stadt wollen wir gerne sein? Neu-Isenburg war mal als Stadt im Walde bekannt, später als Stadt der tausend Sänger…doch was ist heute die Seele Neu-Isenburgs?

Viele Städte tragen ihre Identität bereits im Namen: Wissenschaftsstadt Darmstadt, Kulturstadt Weimar, Grüne Stadt Freiburg, Barockstadt Fulda – und Neu-Isenburg ist seit letztem Jahr offiziell Hugenotten- und Waldenserstadt! Unsere Vorfahren waren Macher. Gründer, denen es gelungen ist, eine gerodete Waldlichtung in eine neue Heimat umzuwandeln. Sie erkannten, dass gerade inmitten von Schwierigkeiten die Möglichkeiten liegen! Aufbruch und Gestaltungswille sollten eigentlich Teil der DNA unserer Stadt sein. Von Hugenotten gegründete Städte sind nicht im Mittelalter organisch „irgendwie“ gewachsen. Sie wurden am Reißbrett geplant – funktional und modern für ihre Zeit. Dabei waren Handwerk, Bildung, Begegnungsstätten für die Gemeinschaft und demokratische Strukturen wichtig. Lasst uns die Zukunft ebenfalls mutig planen und unsere Stadt gemeinsam gestalten! Das ist doch ein schönes Leitbild für das Werden und Sein Neu-Isenburgs!

[Kati Conrad, Oliver Hatzfeld]

Dieser Artikel wurde ursprünglich veröffentlicht in der Stadtillustrierten ‚Isenburger‘, Ausgabe Dezember 2025.

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