In der Dezember-Ausgabe der Stadtillustrierten ‚Isenburger’ wurden die im Stadtparlaemnt vertretenen Fraktionen um eine Stellungnahme zur Hugenottenhalle gebeten. Dort hieß es:
Ein neues Herz für Neu-Isenburg
Unsere Hugenottenhalle – ein Ort voller Erinnerungen, Emotionen und Geschichte. Seit fast fünf Jahrzehnten ist sie unsere Bühne für tolle Konzerte, Treffpunkt für Vereine, Ort für Feste, Ausstellungen und Begegnungen. Generationen von Neu-Isenburgern verbinden persönliche Momente mit ihr – vom ersten Konzertbesuch bis zur Abiturfeier. Doch die Zeit ist nicht spurlos an unserer Hugenottenhalle vorbeigegangen: Das Gebäude aus den 1970er-Jahren ist technisch und baulich am Limit.
Nun soll ein neues Kapitel beginnen. Geplant ist der Umbau zu einem modernen Kultur- und Bildungszentrum, das Musik, Kunst, Lernen und Begegnung miteinander verbindet – ein sogenannter „Dritter Ort“, offen für alle Generationen. Hier sollen Stadtbibliothek, Volkshochschule, Musikschule und Veranstaltungshalle künftig unter einem Dach zusammenfinden.
Beschlossen wurde das von den Stadtverordneten bereits, und in einem Gestaltungswettbewerb wurde im letzten Jahr ein Siegerentwurf gekürt. Wir könnten loslegen – doch der Weg dorthin sorgt für Diskussionen. Hohe Baukosten, offene Finanzierungsfragen und ein langer Zeitplan bis zur Fertigstellung stellen Politik und Verwaltung vor große Herausforderungen. Gleichzeitig steht viel auf dem Spiel: die Zukunft eines zentralen Stücks unserer Stadtidentität – und die Frage, wie Neu-Isenburg in den kommenden Jahrzehnten Kultur, Bildung und Gemeinschaft leben will.
Wir haben alle Fraktionen im Stadtparlament gefragt:
Was versprechen Sie sich vom Umbau der Hugenottenhalle und warum ist das gerade jetzt wichtig?
Das ist die Stellungnahme unserer Fraktion DIE YSENBURGER!:
Der Umbau ist ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung unserer Stadt! Bei ihrer Eröffnung 1977 galten Hugenottenhalle und Stadtbibliothek als moderne Orte des städtischen Lebens. Doch seither hat sich die Welt verändert: Wir lernen, arbeiten und kommunizieren vernetzter denn je. Technologien wie Künstliche Intelligenz und Big Data eröffnen durch die gemeinsame Nutzung von Daten völlig neue Möglichkeiten – und auch unsere Kultur- und Bildungslandschaft entwickelt sich weiter, schafft durch Verknüpfungen neue Angebote.
Bibliotheken sind längst nicht mehr nur auf das Ausleihen von Büchern beschränkt – aus dem stillen Lesesaal ist ein Ort der Begegnung für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt geworden. Die Stadtbibliothek ist schon heute ein lebendiger Raum des Austauschs. Hier wird in Arbeitsgruppen zusammen gelernt oder bei einer Tasse Kaffee diskutiert, es wird zunehmend digital gearbeitet, Lesungen oder Ausstellungen finden in den Räumlichkeiten statt. Doch der Platz in unserer bestehenden Bibliothek reicht nicht aus, das Angebot um genau die Bereiche zu erweitern, die immer stärker nachgefragt werden. Um den wachsenden Bedürfnissen gerecht zu werden – etwa für Makerspaces, kreative Werkstätten oder neue Lernformate und Workshops – braucht sie dringend mehr Platz.
Die Hugenottenhalle steht vor noch größeren Herausforderungen. Nach Jahrzehnten intensiver Nutzung kann sie ab 2027 in ihrer jetzigen Form nicht weiterbetrieben werden. Und klar ist: Wenn wir hier lediglich sanieren und reparieren, bleiben wir – trotz hoher Kosten – immer noch mit dem Raumkonzept aus den 70ern zurück. Künstler wie Depeche Mode, Judas Priest und Peter Maffay, die zu den Glanzzeiten der Hugenottenhalle dort auftraten, wird das nicht mehr zu uns locken – ohne Erneuerung droht ein schleichender Niedergang. Heute braucht eine Veranstaltungshalle mehr, um attraktiv zu sein: flexible Räume, moderne Technik und Formate, die Kunst, Kultur und Publikum näher zusammenbringen. Die Halle soll wieder zu einem Anziehungspunkt für Künstler und für engagierte Bürgerinnen und Bürger werden. Auch das kulturelle Angebot hat sich weiterentwickelt. Theaterinszenierungen binden Besucher und Passanten in die Handlung ein, Kunst wird durch virtuelle Realität erlebbar – man kann buchstäblich in ein Kunstwerk eintauchen. All das verlangt nach Räumen, die offen, wandelbar und technisch auf dem neuesten Stand sind.
So stoßen die beiden 50 Jahre alten Gebäudeteile räumlich und technisch an ihre Grenzen. Für ein modernes, gemeinsames Kultur- und Bildungsangebot müssen sie zusammengedacht und um neue Angebote erweitert werden – als lebendiger Treffpunkt mitten in Neu-Isenburg. Ein ‚Dritter Ort‘ ist mehr als ein Gebäude: Er bringt Menschen niederschwellig und ohne Konsumzwang zusammen, ganz unabhängig von Herkunft, Alter oder Bildungsstand. Das stärkt die Stadtgesellschaft, fördert Demokratie und Inklusion.
Gerade jetzt ziehen sich immer mehr Menschen in ihre eigenen digitalen Welten zurück und Innenstädte verlieren durch den Onlinehandel an Attraktivität – da braucht es Orte, die Verbindung schaffen. Ein modernes Kultur- und Bildungszentrum bietet genau das. Mit dem Entwurf des Architekturbüros AFF liegt uns ein Konzept vor, das den vertrauten Charakter des Gebäudes erhält, den Raum aber öffnet und um gemeinsame Bereiche sowie um Platz für Volkshochschule und Musikschule erweitert. So entstehen nicht nur Synergieeffekte, sondern auch ein Anziehungspunkt für Menschen aus der Region. Neu-Isenburg wird lebenswerter für die Bewohner und mit einem vielfältigen Kulturangebot auch attraktiver für Unternehmen und ihre Mitarbeiter. Eine starke Wirtschaft sichert durch Gewerbesteuer wiederum die Entwicklung der Stadt.
Die Diskussion um die angeblich zu hohen Kosten greift an dieser Stelle zu kurz. Der Umbau von Hugenottenhalle und Stadtbibliothek ist eine Investition in die Zukunft der Stadt. Andere Kommunen mit weit größeren Haushaltsdefiziten zeigen längst, dass sich solche Projekte umsetzen lassen – wenn der politische Wille da ist.
[Kati Conrad, Oliver Hatzfeld]
Ursprünglich veröffentlicht in der Stadtillustrierten ‚Isenburger‘ im Dezember 2025.
